Mama, Kind und Lifestyle

Starkes Fremdeln – Hochsensibel?

Starkes Fremdeln – Hochsensibel?

Ich wusste schon früh, dass ich hochsensibel bin.
Ich bin dadurch nicht besser, schneller oder klüger. Aber ich bin schneller völlig reizüberflutet.

Mit 18 fing ich an regelmäßig in die Disco zu gehen. Immer mit dem gleichen Ende. Die Flimmerlichter, das Gedränge, die Lautstärke..
Ich hielt vielleicht eine Stunde durch und ich fing dann tatsächlich an zu weinen.

Wer hochsensibel ist, nimmt alles intensiver wahr.

Ich sehe kein Fernsehen, ich habe Partys gehasst. Ich meide Menschengruppen. Meinen Ausgleich finde ich in der Musik oder in meinem Beruf als Illustratorin.

Wenn es dann doch mal sein muss, habe ich anschließend starke Kopfschmerzen und möchte mich in mein Bett zusammenrollen und vor Stress heulen.
(Einmal „musste“ ich in einen Freizeitpark und habe am Abend danach weinend unter der Dusche gehockt) Es klingt albern und ich lache auch heute noch gerne drüber. Aber so geht es mir leider wenn es zu viel ist. Trotzdem nehme ich es mit Humor.

Jetzt, wo ich Mutter bin, hat alles eine andere Dimension erreicht. Kindergruppen, laute Geburtstage, Besuche und viele (z.T unnütze) Ratschläge bis mein Kopf zu zerspringen droht.

Ich musste die Ellenbogen ausfahren, zurechtweisen und mich behaupten wo ich gerne den einfachen Weg gegangen wäre. Ich halte wilde Kinderpartys aus und gehe mit Böhnchen in Kleinkinderkurse.
Soziale Kontakte sind schließlich wichtig!

Im Pekipkurs fing alles an. Mein Kind fremdelt. Schon seit dem sie 3 Monate ist.
Jetzt, 14 Monate, hat sich nichts geändert.

Manchmal kann Böhnchen sich im Raum vorsichtig mit anderen Kindern bewegen. Dann reicht ein lautes Geräusch oder eine unbekannte Stimme und es ist vorbei.
Böhnchen weint in den höchsten Tönen bis sie schwitzt, klammert sich rettend an mich und hört erst wieder auf, wenn sie aus der Situation raus kommt.

Es kommt oft vor, dass ich Mütter beneide, deren Kleinkinder mutig mit anderen spielen, während Böhnchen den Beobachtungsposten auf meinem Arm bezogen hat. Kritisch die Lange beobachtend. Immer mit einem sorgenvollen Stirnrunzeln auf ihrem kleinen Gesicht.

Viel Häme von Verwandten durfte ich mir anhören.
Allen voran sei ich als Glucke schuld daran. Böhnchen wird zu behütet. Dabei ermuntere ich sie immer wieder, sich zu trauen.

Erst als ich es mich selber sagen hörte, machte es auch in meinem Kopf klick.

„Es tut mir leid, mein Kind ist sensibel.“sagte ich einmal. 

Wenn ich hochsensibel bin, wie groß ist dann die Wahrscheinlichkeit, dass mein Kind es auch ist?

Was wenn sie nicht nur fremdelt, sondern genauso „empfindlich“ für Reize jeglicher Art ist wie ich? Ich weine schließlich auch, wenn es mir reicht.

Ich gebe Böhnchen weiterhin den sicheren Hafen, den sie braucht. Ich zwinge sie nicht dazu, mit  fremden Kindern spielen zu müssen.
Ich gehe einfach wieder nach Hause, wenn ich merke, dass meine Kleine genug hat. Heute war nach 20 min Spielgruppe für Böhnchen Schluss.
Ich warte ab, wie es sich entwickelt. Wachsam und mein Kind unterstützend.

Aber eines werde ich nie wieder tun.

Mich entschuldigen, dass mein Kind so ist, wie sie ist.

Bisher habe ich noch keine weitere Mutter gefunden, deren Kind so fremdelt. (Jedenfalls in eine der Gruppen in denen ich bin) Ich folge weiterhin den Ratschlägen aus Büchern immer wieder soziale Kontakte zu pflegen.
Und nicht zu letzt, kommt es vermutlich nicht von ungefähr, schließlich war ich als Kind ähnlich.
Die Lösung liegt oft in den eigenen Genen.

 



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