Mama, Kind und Lifestyle

Zurück zu den Anfängen – Back to the roots

Zurück zu den Anfängen – Back to the roots

Zurück zu den Anfängen – Back to the roots

Meine persönliche Challenge – Back to the roots – Fünf Tage lang habe ich das Experiment gewagt

Ich merke immer mehr, wie ich minutenlang (Stundenlang) Zeit im Internet totschlage und gleichzeitig beneide (jammere) was andere erreichen. Ganz schön dämlich eigentlich.

Also muss ich was ändern. Dass es ein wenig schwieriger wird, wenn man ein stark nähebedürftiges Kleinkind hat (und schwanger ist) lasse ich jetzt mal außen vor. Andere schaffen es auch irgendwie. Man muss nur anfangen.

Dieses Projekt bezieht sich natürlich hauptsächlich auf mich, aber es ist mir wichtig diese Selbstfindung oder eher Wiederfindung mit meinen Lesern zu teilen, weil sich der ein oder andere vielleicht auch im Strudel des hektischen Lebens befindet. Oder einfach einen Weg sucht, sich selbst zu finden.

Ich ging also innerlich zurück zu dem Punkt, an dem ich mein „Ich“ irgendwie aus den Augen verloren hatte. Und das begann weit bevor ich Mutter wurde. Die große Frage war:

Wer war ich eigentlich davor?

  • Ich hatte eine alte analoge Spiegelreflexkamera und machte gerne Fotos in Schwarz/weiß
  • Ich war viel in der Natur unterwegs
  • Ich hatte mein Skizzenbuch immer dabei
  • Ich habe viele Bücher gelesen
  • Ich habe viel geschrieben, per Hand
  • Meine wilde Mähne habe ich immer offen getragen
  • Ich hatte immer ein Auge für die kleinen und ungewöhnlichen Dinge im Leben (Ich war ein wenig merkwürdig – Künstler halt) 

Wer bin ich jetzt?

  • Ich koche und backe viel und gerne
  • Ich nähe und mache viele Handarbeiten
  • Ich organisiere den Haushalt & unser Leben damit alles glatt abläuft
  • Ich erziehe meine Kinder die ersten 3 Jahre (Kita ab frühestens 3 Jahre)

Merkt man was? Ja, ich mache nichts für mich. Oder nichts was mich mal ausgemacht hat. Mir macht es zwar alles Spaß diese Dinge zu tun, aber sie haben im Grunde nichts mehr mit „MIR“ zu tun.

Ich weiß, Muttersein kommt nunmal mit einigen Einschränkungen, aber es wurde langsam Zeit wieder was für mich zu tun. Dass ich jetzt damit anfange wo ich bald wieder ein Neugeborenes habe ist fast schon Ironie. Aber ich bin endlich an dem Punkt, mich wieder finden zu wollen.

Vielleicht geht es anderen Müttern auch so, vielleicht bin ich als „Künstler“ auch nur ein abstruser Sonderfall. Aber jeder ist eben anders.

Meine Challenge bestand in Folgenden:

  • Weniger Internet
  • Fotos mit Qualität statt Quantität (Handy zu oft in der Hand – Lieber die Cam nehmen)
  • Mehr die Momente genießen, die wir leben
  • Die Zeit nutzen die einem gegeben wird – Jeder Tag zählt
  • Weniger jammern was nicht alles sein könnte, hätte ich nur.. „Blah Blah Blah“ – es wird schon alles gut werden
  • Meine Ziele mit Ausdauer erreichen – Gut Ding will eben Weile haben

Was erhoffe ich mir dadurch?

  • Zufriedener und glücklicher zu sein
  • jeden Moment bewusst mitbekommen zu haben (und ihn Wert zu schätzen)
  • Stolz zu sein auf das, was ich geleistet habe, selbst wenn es nur was Kleines ist

 

Zurück zu den Anfängen - Back to the roots

Tag 1  Montag 

Nachdem ich den Entschluss gefasst hatte, weniger im Internet zu surfen wurde der Anfang recht hart. Ich wache generell morgens eine Stunde eher auf als meine Kleine. Sie schläft bei mir im Bett von daher muss ich leise sein. Deswegen verbrachte ich die erste Stunde oft damit, auf Pinterest zu surfen. Meist hab ich mich danach völlig zugedröhnt gefühlt. So als ob mein Kopf gleich morgens schon zu voll war.

Ich wachte also auf, checkte meine Nachrichten (Ja, Whatsaap Familienchat ist ein Ding bei uns) und legte das Handy gleich wieder weg. Ich drehte mich zu meiner Kleinen um, die quer im Bett lag.

„Was nun?“ Ich stand also auf und schlich mich aus dem Zimmer. Erstmal kurz zum Klo. Mit Babybauch eh morgens ein absolutes Muss.  ^^ Dann holte ich mir mein Strickbuch und mein Kalender. Ich blätterte ein wenig im Strickbuch und machte ein paar Notizen für spätere Projekte. Stricken fürs Baby ist einfach toll!

Dann griff ich zu meinem Kalender und legte in der Notizensektion endlich das Kinderbuch an. Einfach Grob die Handlungsweise aufschreiben. Das war nämlich schon lange ein Wunsch von mir. (Wozu bin ich Illustratorin, wenn ich nicht auch ein Kinderbuch für meine Kinder male? Wieder so eine Ironie)

Kaum klappte ich das Buch zu, fühlte ich mich besser. Irgendwie erfüllt. Ich hatte zwar nur 30 min gearbeitet, aber dieses Gefühl hielt den ganzen Tag. Das Gefühl zu wissen, man hatte den Grundstein gelegt.

Dann wagten meine Kleine und ich ein Abenteuer. Mein alter Kunstbedarfsladen war recht weit weg. Aber ich packte ein wenig Proviant ein und wir marschierten nach dem Mittagsschlaf einfach los. 4 km (Natürlich auch mit Kinderwagen) gingen wir zu Fuß hin. Im Laden endlich angekommen hatte meine Kleine sichtlich Spaß. (Ich war so stolz) 🙂 Ich kaufte die groben Basics. Ein Bleistift, ein Anspitzer und ein Skizzenbuch. (DIN A4)

Danach gab es für die Kleine ein Vanille Eis. Wir gingen durch den Park nach Hause und verbrachten dann den Rest des Tages auf der Dachtrasse.

Und als die kleine endlich am Abend im Bett in meinem Arm fest schlief, konnte ich sie vorsichtig neben mich legen. (Sie zahnt im Moment und braucht ganz viel Nähe – einfach zu Bett bringen und dann Feierabend machen war noch nie wirklich drin und ich lasse ihr da auch Zeit) Ich machte gedämpftes Licht an und griff nach meinem neuen Skizzenbuch. Und siehe da, ich saß im Bett, mein Baby trampelte im Bauch und meine kleine lag sicher neben mir, eine Hand fest an meinem Nachthemd. Und ich zeichnete die erste Seite für mein Kinderbuch. Es dauerte nur 30min aber ich war danach wieder unglaublich glücklich, etwas geschafft zu haben. Etwas, dass sich wieder anfühlte wie ICH.

Und ja, ein wenig im Internet lesen und surfen habe ich natürlich auch danach getan. Aber im Grunde bin ich froh, dass ich endlich mal auch die kurze Zeit genutzt habe. Unterbrochen zu werden, ist zwar völlig blöd, aber da lässt sich mit Kindern nichts ändern. Das wird immer so bleiben. Und die Zeit deswegen nicht zu nutzen ist noch viel dämlicher.

Achja, ich versuchte meine Mähne den ganzen Tag über offen zu tragen. Da mir der Dutt echt auf den Keks geht. Natürlich ist es als Mama praktisch, aber ich war immer eine Frau mit wilder Mähne. Es ist vielleicht was banales, aber es gehört eben dazu. 🙂

 

 

Zurück zu den Anfängen - Back to the roots

Tag 2  Dienstag

Am nächsten Morgen wachte ich gut gelaunt auf. Die Sonne schien, alles war vom Vortag schon eingekauft und erledigt. Meine Kleine und ich planten einen Tag auf der Dachterasse.

Ich hatte mir ein Moodboard auf Pinterest angelegt, voll mit Bildern die mich an meine Träume und Ziele erinnerten. Das war das erste was ich mir morgens ansah. Um mich daran zu erinnern, welche Challenge ich hatte. (Mehr zum Moodboard am Ende des Berichtes)

Nachdem wir alle gemeinsam geduscht, gefrühstückt und uns fertig gemacht hatten, kramte ich meine alte Kamera raus. ich schaltete das Display aus und machte Fotos durch den Sucher wie meine kleine Tochter im Sandkasten spielte.

Es klingt vielleicht komisch, aber durch den Sucher ein schönen Bildausschnitt zu suchen ist doch etwas anderes. Und ich fühlte mich wieder mehr wie ich mit einer echten Kamera in der Hand statt eines Handys. Ich machte ein paar sehr schöne Aufnahmen und war einfach nur glücklich.

Der Tag verging recht schnell und ich hatte mit meiner Kleinen im Planschbecken wirklich viel Spaß. Und ich surfte so gut wie gar nicht im Internet.

Als ich dann mit der Kleinen zu Bett ging, konnte sie nach einer Weile ablegen und wieder im Bett sitzend neben ihr in meinem Skizzenbuch zeichnen. Die zweite Seite meinen Kinderbuches entstand. Und wiederum legte ich nach dem ich bis 22 Uhr gezeichnet hatte die Sachen beiseite und war einfach nur glücklich.

 

 

Zurück zu den Anfängen - Back to the roots

Tag 3  Mittwoch 

Der Mittwoch begann heiß und sehr sonnig. Wiederum schaute ich mir mein Moodboard an. Heute wagte ich es mal den ganzen Tag die Haare offen zu tragen. Ich habe wirklich lange Haare bekommen und weil es praktischer ist, trage ich oft einen Zopf oder schlimmer einen Dutt. Was mich wirklich stört, denn ich habe eine hohe Stirn und kann kein Pony tragen (Ich habe da zwei Wirbel und sehe dann aus wie… naja. 😀 )

Jedenfalls machte ich mir heute die Haare und war den ganzen Tag glücklich über meine wallende lange Mähne, die mir nun fast schon bis die Taillie reichte.

Wir waren ganze 3 Stunden in der Sonne unterwegs, pusteten Pusteblumen und ich ärgerte mich, dass ich meine Kamera zu Hause hatte liegen lassen. Es wären bestimmt schöne Fotos entstanden!

Doch als ich am Abend dann zeichnen wollte, während meine Kleine schlief, bekam ich rasende Kopfschmerzen. Ich hatte tatsächlich einen Sonnenstich und es wurde Stund um Stund schmerzhafter. Ich war froh, dass meine Kleine schon neben mir schlief. Mir war richtig schlecht vor Kopfschmerzen.

Ich ließ es also dabei belassen und blieb im Bett mit einem kalten Waschlappen über den Augen. Und so schlief ich die Kopfschmerzen und die Übelkeit weg bis zum morgen. Trotzdem war ich dankbar für diesen schönen Mittag. Und dass ich in Zukunft meine Kamera lieber wieder mitnehme.

 

Zurück zu den Anfängen - Back to the roots

Tag 4  Donnerstag (Vatertag) 

Ich hatte viel geschlafen, auch wenn der Tag um 6:30 für mich beginnt. Da wacht meine Kleine nämlich auf und strahlt mich an. Und sie kommt direkt in meine Arme gekrabbelt zum kuscheln. Und neuerdings erzählt sie so viel, dass es richtig interessant wird ihr beim reden zuzuhören. 🙂 Ein schönes Alter wenn sich alles so schnell entwickelt.

Heute war also ein Feiertag und der wurde ebenfalls auf dem Balkon verbracht. Aber mit Grillen und lecker Salat. Mein Handy blieb die meiste Zeit im Schlafzimmer liegen. Gelegentlich guckte ich mal drauf, aber nur um die Whatsapp nachrichten meiner Familie zu beantworten. Ich fotografierte wieder viel mit meiner alten Kamera und hielt so viele Schöne Momente fest. Z.B als meine Tochter in den Himmel zeigte und sagte:“ Da Schneemann!“ Und wir blickten nach oben und sahen, eine Wolke die tatsächlich aussah wie ein Schneemann.

Es tat einfach unheimlich gut, wieder irgendwie in diesem Element de fotografierens zu sein. Und dabei den besten Winkel zu finden. Ich kann das gar nicht beschreiben. Ich bezwecke damit auch nichts, ich habe einfach immer gerne Fotos gemacht. Ich habe auch gelegentlich Leute abgelichtet die danach gefragt haben. Aber das war schon ewig her. Trotzdem war es schön. Jetzt mache ich eh die wichtigeren Bilder, die, die eines Tages ein Fotobuch füllen, welches meine Tochter bestimmt oft angucken wird. 🙂

Am späten Nachmittag zog dann ein Gewitter auf und wir verzogen uns nach drinnen. Das Gewitter hielt sich über mehrere Stunden und wir machten uns einen gemütlichen Tag drinnen und beobachteten das Gewitter.

Wiederum als mein Kind schlief, konnte ich neben ihr sitzen und eine weitere Zeichnung für ihr Kinderbuch anfertigen und nebenbei mit Kopfhörern Musik hören. 🙂

 

Zurück zu den Anfängen - Back to the roots

Tag 5  Freitag 

Unglaublich aber wahr, ich sah mein Handy und war gleich schlecht gelaunt und genervt. Ein gutes Zeichen! Internet ich habe einen Erfolg! Ich bin weniger abhängig als vorher! Ich bin richtig genervt von dir!

Ich merkte einfach wie gereizt es mich machte immer präsent zu sein. Oder immer erreichbar zu sein. Mein Handyvertrag läuft in einem Monat aus und ich mache schon seit Monaten keine Anstalten irgendwas zu verlängern oder neu abzuschließen. Ich bin froh, wenn die Last von mir ist.

Ganz ohne wird es wohl nicht gehen, aber ich steige vermutlich auf prepaid um. Oder ein Handy mit dem man nicht so viel rumgammeln kann. (An mein gutes solides altes Nokia denk – das waren noch Zeiten)

Der Tag verlief sonst eher schlecht. Ich hatte Schwangerschaftsbedingt arge Rückenschmerzen und war froh, als ich liegen konnte. Jede Pause war mir mehr als willkommen.

Gegen Abend lag ich dann wieder bei meiner kleinen und zeichnete wild entschlossen weiter. Ich war nach 5 Tagen schon deutlich besser drauf und merkte wie gut mir diese Pause tat.

 

Mein Moodboard: 

Ich hatte eine Reihe von Bilder gepinnt, die ich aus rechtlichen Gründen nicht einfach hier posten kann. Aber mit einer Beschreibung denke ich, werdet ihr in etwa eh merken worum es bei dem Moodborad eigentlich ging.

  • Eine Frau die an einer alten Schreibmaschine tippt umgeben von Notizen und einer Tasse Kaffee
  • Hände auf einem Klavier
  • Eine Frau die im Atelier malt und arbeitet
  • Eine Fotografin die aus einer schwierigen Pose ein Foto macht
  • Eine Frau mit wilder Mähne im Wald
  • Ein Rucksack gefüllt mit Skizzen und Bleistiften
  • Ein handgeschriebenes Notizbuch mit Füller und Tinte
  • Ein Französischer Text

All diese Bilder sind absolut das, wer ich mal war.  Da war nicht ein Bild von einer Frau die im Internet surft und ihre Zeit verschwendet.

 

Fazit meines Projektes:

Ich habe in diesen 5 Tagen mehr geschafft als je zuvor. Ich habe meinen inneren Schweinehund überwunden und einfach gemacht ohne dabei an dieses Stimmchen im Kopf zu denken, dass einen gerne abhält. (Ihr wisst schon welche Stimme ich meine)

Ich fühlte mich mehr wie ich und viel bewusster. Es war irgendwie, als würde man aus einer Blase ausbrechen.

Ich habe viel Fotografiert was ich seit Jahren nicht getan hatte. Ich habe fast jeden Abend gezeichnet. Ich habe mich endlich wieder wohlgefühlt.

Und auch wenn es nur kleine Dinge waren, wie meine Haare offen zu tragen. Es geht darum sich selber wieder zu finden. Oder einfach einen Einklang mit dem aktuellen Leben und den Aufgaben zu finden.

Ja, man ist müde (vom Alltag oder vom Job). Aber das ist man an einem anderen Tag auch. Wann ist man mal nicht müde und erledigt? Ist es das Wert sich hinzulegen und z.B. sich mit einer anderen „Aufgabe“ aufzuhalten statt sich zu wünschen man hätte was anderes gemacht?

Bei mir war es das ständige surfen im Internet und das vermissen meiner hundert Jahre alten  Hobbys die ich aus dem Auge verloren hatte. Sei es durch Arbeit oder durch das Leben selber. Wichtig ist, niemals zu vergessen, was einen immer fasziniert hat. Und dass man sich nicht unterkriegen lässt. Schon gar nicht von einem Selbst.

Man kann. Ohne Ausrede.

Ich plane dies so weiter zu machen. Nochmal lasse ich mich nicht so schleifen. Und selbst wenn ich mit Neugeborenem und Kleinkind im Arm im Bett bleiben muss, ist es höchstens ein Anreiz weiter meine Bücher auf französisch zu lesen und mich darin zu verbessern. Ich bin gespannt wie sich mein Leben jetzt weiter entwickelt, wo ich diese Abhängigkeit hinter mir gelassen habe. Ja sogar eingesehen habe, wie viel fröhlicher ist  dadurch bin. (Mal abgesehen vom Sonnenstich und der Schwangerschaftsbeschwerden – das ist nur vorübergehend) 😉

 

 



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